Grete Minde

Jetzt bleibt mal alle stehen!
Ich muss euch was erzählen
von Margarete Minde,
einem Tangermünder Kinde.

Sie lebte hier in dieser Stadt
und war ganz selten richtig satt.
Ihr Vater war schon lange tot.
Man sagt: "Er war ein Tunichtgut."

Doch seine Eltern waren reich.
Und Grete Minde wollte Geld sogleich.
"Nein, ich werd' dir keines geben.
In Armut sollst du weiter leben!",

sagte ihr Opa. Das war nicht gut,
denn Grete packte solche Wut,
sodass sie brüllte mit viel Krach:
"Den roten Hahn setz' ich auf's Dach!"

Das heißt: Ich lege einfach Feuer.
Bald kam das fiese Ungeheuer.
Fast alle Häuser fraß es auf.
Welch ein Gejammer! Welch ein Graus!
Im Brandjahr sechszehnsieb(en)zehn
war nur noch großes Leid zu seh'n.

"Wer war es? Wer hat das getan?"
Los, schafft uns Grete Minde ran!"

Man quälte sie mit schlimmer Folter.
Dann fuhr mit Lärm und viel Gepolter
der alte Schinderkarren vor.
Und ganz weit draußen vor dem Tor
ein großer Scheiterhaufen stand,
wo Grete Minde ihr Ende fand.